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Auszug aus dem Kommentar

“Das Leben der neuen Alten”

erschienen in DIE WELT, Ausgabe vom 23. Januar 2012

 

… alt sein, kann man auf Hunderte verschiedene Weisen, und es kann sehr, sehr lange dauern, bis man sich dabei auch alt fühlt. DAS Alter gibt es nicht. Diese Erfahrung werden besonders die Menschen machen, die von jetzt an ins Rentenalter kommen. Eine privilegierte Generation, die von Krieg, Hunger, Not verschont geblieben ist. Die, jedenfalls in Westdeutschland, seit ihrer Jugend Ansprüche auf Selbstbestimmung, mündige Teilhabe und Partnerschaftlichkeit gestellt – und vieles davon durchgesetzt hat. Es ist die Generation, in der so viele Frauen wie nie ins Berufsleben und damit in finanzielle Selbständigkeit fanden. Und zugleich eine Generation, die die digitale Revolution aktiv an ihrem Arbeitsplatz miterlebt hat.

 

Diese Menschen werden keinen Grund sehen, sich auf das Altenteil zurückzuziehen. Zur Rente gehören heute nicht Schaukelstuhl und Kittelschürze, sondern lange To-do-Listen mit allem drauf, was immer schon der Erledigung harrte, dazu kommen ambitionierte Reisepläne, ein neues Ehrenamt, eventuell ein Seniorenstudium und gern auch die aktuelle Version des iPads. Diese neuen Alten werden ihren Aktionsradius vielleicht verändern, aber nicht sofort verkleinern.

 

Das ist für viele nicht notwendig. Die nun vorliegende Forsa-Studie zur Altersdiskriminierung zeigt das klar: Deutlich mehr Ältere halten sich selbst für flexibler, als es ihnen von den jüngeren Befragten zugetraut wird.
Und: Sowohl Alte wie auch die Jungen sind mit absoluter Mehrheit überzeugt, dass die ältere Generation leistungsfähig und kompetent ist. […]

 

Die Veröffentlichung hier erfolgt mit Genehmigung der Verfasserin des Kommentars Annette Prosinger